Slow Travel

12. Juni 2019 06:00 • Julia Schuhmann

Slow Travel

„Langsam reisen, Zeit zum Austausch, bewusst Anderes wahrnehmen und genießen.“

Das ist mein Fazit meiner Zugfahrt ins Auslandssemester nach Granada. Ich habe mich im Sommer letzten Jahres entschieden mit dem Interrail-Ticket nach Spanien zu fahren, nachdem das Green Office der Universität Konstanz Reisestipendien in Form von Interrail-Tickets ausgeschrieben hatte. 

Während man mit dem Flugzeug innerhalb eines Tages an seinem Ziel ankommt, habe ich mir die Zeit genommen, Stück für Stück in Spanien anzukommen. So hatte ich die Möglichkeit die Nuancen zwischen den Teilen Spaniens während der Reise wahrzunehmen. Man realisiert auch, wie lang die Strecke zwischen meinem Heimatort Bensheim und Granada ist. Die zurückgelegte Strecke habe ich auf Flugreisen nicht so bewusst wahrgenommen. Damit ihr einen Eindruck bekommt, wo ich entlang gefahren bin, habe ich euch die Route hier grob via Google Maps nachgezeichnet:

Auf diese Art und Weise des Reisens hatte ich die Chance meine neue Heimat für das Auslandssemester zu „erFahren“. Insgesamt war ich zwei Wochen in Spanien mit dem Zug unterwegs bis ich in Granada angekommen bin. Die Zugfahrten vergingen wie im Flug – entweder mit einem Buch in der Hand, Musik in den Ohren oder netten Gesprächen. Von Paris bis Spanien saß ich mit einer Vierergruppe Senioren aus Südamerika in einem Abteil, die mir von ihrem neuen Leben in Wisconsin erzählten – nach der herzlichen Begegnung gaben sie mir ihre Kontaktdaten „falls ich mal in Amerika sei“; ein anderes Mal verbrachte ich die Zeit mit anderen Studenten, die mit dem Interrail-Ticket unterwegs waren und wir tauschten uns aus. Manchmal habe ich auch einfach stundenlang aus dem Fenster geschaut, wie sich die Landschaft verändert.

Durch das Interrail-Ticket war ich unglaublich flexibel und konnte so von Tag zu Tag schauen, wo ich morgen gerne wäre. Ich wollte unbedingt in die Natur Nordspaniens und musste dafür dann auch andere öffentliche Verkehrsmittel, abgesehen vom Zug, benutzen. Allerdings hat es sich ausgezahlt all die Stunden mit dem Bus zu fahren, denn dadurch konnte ich noch mehr von der landschaftlichen Vielfalt wahrnehmen.

Ich hatte das Gefühl durch die Zug- und Busfahrten näher an der spanischen Bevölkerung zu sein. Und vor allem mehr im Austausch mit ihr – die Einheimischen haben mir kulturelle Unterschiede zwischen den einzelnen Teilen Spaniens erklärt und mir die traditionellen Gerichte ans Herz gelegt. Das habe ich besonders an der Reise geschätzt.

 

Schritt für Schritt

Während meiner Zeit im Ausland habe ich vor allem in Nordspanien viele Menschen getroffen, die zu Fuß entlang des Jakobsweges unterwegs waren. Die Pilger haben auf mich einen erschöpften und zugleich tief zufriedenen Eindruck gemacht. Vor allem die Ausstrahlung der Personen, die in Santiago de Compostela angekommen sind, hat eine „ich hab‘s (aus eigener Kraft) geschafft“ – Haltung wiedergespiegelt.

Beeindruckt war ich auch, als eine Bekannte mir erzählte, dass einer ihrer Freunde schon seit Jahren durch Europa läuft und als Fotograf die Menschen sowie seine Umgebung mit der Kamera festhält (https://www.instagram.com/vhturgeon/). Auf diese Art und Weise lernt man die Welt noch kleinschrittiger und genauer kennen als auf den Zugfahrten.

Die Zugfahrt als umweltfreundlichere Variante des Reisens im Vergleich zum Fliegen hat sich für mich in vielerlei Hinsicht ausgezahlt! Ich könnte mir ebenfalls gut vorstellen das nächste Mal zu Fuß oder mit dem Rad zu reisen. Ich liebe das Gefühl, wenn man abends erschöpft von der körperlichen Anstrengung einer Wanderung oder einer Fahrradtour ist. Man spürt was man selbst geleistet hat und währenddessen hat man auch Zeit, sich in Ruhe umzuschauen, zu erleben und (bewusster) wahrzunehmen. Mein alter Mitbewohner meinte bezüglich seines 6-wöchigen Fahrradurlaubs, dass er das erste Mal im Urlaub „mehr Zeit gewonnen habe, als er investiert habe“.

Wie plant ihr eure nächste Reise? Wo soll es hingehen? Wie bewegt ihr euch fort?                     
Gerne könnt ihr hier Routen-Empfehlungen, Erfahrungen und Fragen in den Kommentaren teilen.

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Kategorie: Project Cece travel

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